Rauchen ist MeditationRauchen ist Meditation



Kategorie: <<< Gesundheit
200807Fr.Nov
N ichtraucherhaushalt ist das ultimative Killerargument für eine Kinderbetreuungsstätte wie Tagesmutter oder Babysitter. Wenn mehrere Tagespflegestellen in Frage kommen, gewinnt vorhersagbar der Nichtraucher.

Darum ist das Nichtrauchen für alle Kinderpfleger ein erstrebenswertes Ziel. Leider ist es gar nicht so einfach, zum Nichtraucher zu werden.

Woran liegt das?

Zunächst einmal und ganz offensichtlich "braucht" der Körper das über den Rauch zugeführte Gift. Das selbst schon anregende Nikotin führt dazu, dass auch noch der Botenstoff "Dopamin" freigesetzt wird, der als Belohnungsstoff ebenfalls glücklich machen kann. Wenn der Körper einen bestimmten Stoff zu brauchen scheint und wir unser Leben so einrichten, dass zu bestimmten Zeiten die Bedürfnisbefriedigung durchgeführt werden kann, sprechen wir von einer Sucht.


Das Nikotin wirkt durch die Aufnahme des Rauches über die Lunge innerhalb von wenigen Sekunden.

Allerdings hat das Rauchen außer den anderen gesellschaftlichen, sozialen und gruppendynamischen Funktionen - auf die hier nicht eingegangen wird - noch mindestens eine bisher kaum beachtete Zusatzwirkung, die das Entwöhnen und Nichtrauchen so ungemein schwierig macht:
Rauchen ist Meditation.

"Quatsch", sagt der Raucher: "Ich meditiere nicht! Ich unterhalte mich mit meinen Kollegen.
Ich würde es wissen, wenn ich meditieren würde!"

Tja, da sieht man mal, wie man sich täuschen kann. Die Absichtslosigkeit und Beiläufigkeit des Handelns führt tatsächlich sehr schnell zu einer Wirkung, die ein Yogi durch Konzentration und Atemtechnik erreicht:

Beruhigung.

Die Zigarette beruhigt, obwohl sie außer Teer und Gift nur Aufreger und Glücklichmacher beinhaltet.

Dies geschieht dadurch, dass der Raucher beim Inhalieren zu jedem Zeitpunkt weiß, wo sein Atem ist. Die Verfolgung des eigenen Atems ist eine Meditationstechnik, die als einen der ersten Effekte zur Beruhigung führt. Der rauhe Rauch erleichtert das Spüren des Atmens. Fast jeder Raucher saugt den Rauch bewußt ein, spürt ihm nach und entläßt den Rauch langsam und genussvoll in die Freiheit.

Der Raucher, der in etwa 99,9% aller Fälle nicht gewahr ist, dass er eine Zen-Technik einsetzt und unabsichtlich meditiert, hat es beim Nichtrauchen verdammt schwer. Wie kann er den beruhigenden Effekt der Zigarette ersetzen?

Mit Kaffee geht es nicht, obwohl Kaffee ähnlich aufregende und glücklich machende Stoffe enthält, wie die Zigarette, denn beim Inhalieren von Kaffee kann es zu Seenotähnlichen Zuständen kommen :-)

Das Wissen, wo der Atem ist fehlt beim Nichtrauchen. Wenn der Raucher nicht weiß, was da fehlt, obwohl er sich mit Nikotinpflastern beklebt, hat er keine Chance, das fehlende Dingsbums zu finden, weil er nicht einmal ahnt, dass es etwas mit "Atmen" zu tun haben könnte. Denn schließlich hat er ja - das Atmen betreffend - aus seiner Sicht alles falsch gemacht: Rauchen ist falsch. Zumindest ist es nicht richtigt. Man sollte es eigentlich lassen. Ähnlichkeiten zwischen Rauchen und Atmen sind rein zufällig und liegen in der Natur des Rauchens: Es geht halt nicht anders.

Was kann man tun, um zu wissen, wo der Atem ist? Ohne zu rauchen?

Zum einen kann man natürlich die unterschiedlichen Atemtechniken anwenden, die im Yoga gelehrt werden. Jede Form des bewussten Atmens ist gut, in jedem Fall immer besser als das Rauchen:

Beim yogischen Atmen fehlt die Giftzufuhr, es handelt sich um bewährte Techniken, die Effekte sind bekannt.

Zum anderen kann man vermehrt Tätigkeiten durchführen, die nach sich ziehen, dass man tiefer atmet und dadurch das Atmen mehr ins Bewusstsein rückt.

Joggen, Spaziergänge, Tanzen, Bewegung im Freien oder Mannschaftssport führen zu einer Mehrbelastung der Lunge und damit auch zu einem Effekt des Mehr-Spürens des Atems, was in der Folge wieder den oben beschriebenen, beruhigenden Effekt auslöst. Leider kann man nicht den ganzen Tag tanzen, aber man kann eigentlich immer rauchen. Bei Sport und Spazierengehen tritt der beruhigende Effekt ja schließlich auch deshalb schon ein, weil man von diesen Aktivitäten ganz einfach müde wird.

Man will sich beruhigen, ohne deshalb gleich das Gebäude zu verlassen und einen Tanzpalast oder Wald suchen zu müssen - und ohne davon müde zu werden! Rauchen macht nämlich nicht müde.

Mit einer einfachen Atemübung, die jederzeit und in jeder Körperhaltung durchgeführt werden kann, kann man den Geist beruhigen und den Körper erfrischen. "Atmen", sagen viele Nicht-Atmer, "das mache ich doch den ganzen Tag. Wenn ich nicht atmen würde, würde ich tot umfallen." Und ja, das stimmt: Wer gar nicht atmet, fällt irgendwann tot um. Hier geht es um bewusstes Atmen, was eine völlig andere Sache ist als das "normale Atemen". Beim normalen Atmen wird die Lunge nur wenig gefüllt, das flache Atmen versorgt den Körper nur mit dem notwendigsten an Sauerstoff. Es ist ein "Sparmodus" - mit möglichst wenig Aufwand wird der Körper am Leben gehalten.

Ein Raucher atmet beim Rauchen tiefer als normal: Er saugt den Rauch tiefer in die Lunge hinein, als er es mit frischer Atemluft freiwillig getan hätte.
Zwischen zwei Zigaretten atmet auch der der Raucher relativ flach.

Deshalb kommt hier die Anleitung zur Selbstberuhigung ohne Zigarette, immer und überall:

  1. Tiefes Einatmen bis zur fast vollständigen Befüllung der Lungen.
  2. Luft kurz anhalten, spüren, wie sich der mit Luft gefüllte Brustkorb anfühlt.
  3. Langsameres, sanftes Ausatmen. Dabei spüren, wie sich die Lunge entleert. Das Ausatmen darf doppelt so lange dauern, wie das Einatmen gedauert hat.


Wer in der oben beschriebenen Weise drei bis vier Atemzüge nimmt, kann dadurch die fehlende Beruhigungswirkung einer nicht gerauchten Zigarette locker kompensieren. Wem die Anleitung zu ungenau ist: Einfach ausprobieren. Die Geschwindigkeit und Heftigkeit des Atmens ganz einfach so halten, dass die ganze Prozedur angenehm verläuft und Freude bereitet. Erstmal langsam anfangen und nur so steigern, wie es gut tut. Der Körper findet seinen eigenen Rythmus. Es sollte während der Übung nicht zur Atemnot kommen! (Es gibt doch immer wieder Leute, die gleich alles übertreiben müssen. Ich weiß, von was ich rede - ich gehöre dazu.) Wenn es während dieser Atemübung oder danach zu einem Gähnen kommt - super. Auch beim Gähnen spüren wir unsere Lungen, es wird vermehrt Sauerstoff aufgenommen und es vermittelt eine gewisse Befriedigung.

Allen Rauchern, die gerne Nichtraucher werden wollen, sei die oben angeführte Atemübung ans Herz gelegt. Natürlich dürfen auch Raucher, die weiterhin rauchen wollen, diese Übung machen. Ob die Übung wirklich beruhigt und ob sie erfrischend wirkt - es ist so leicht überprüfbar!



Zufallsfund: Rauchen ist unwichtig Ein Video zum Thema. Der aufmerksame Mann schaut aber nicht wie ich auf das Vordergründige, den Rauch und das Wissen, WO der Atem ist - Nein. Er schaut auf etwas anderes und auch deshalb IST Rauchen Meditation.




Ähnlicher Artikel: Kaffeesucht Ich berichte über meine eigene Kaffeesucht und den Entzug.

Wikipedia:

Nikotinabhängigkeit Was ist Nikotinsucht und wie entwöhnt man?
Meditation Was ist Meditation?
Yoga Was ist Yoga?

Peter Klauer

200808Mo.Dez
Letzte Änderungen

Kommentare: 1 Einen Kommentar hinzufügen
GuidoFirst entered on: 2010-10-28 20:04:54
Klasse Beitrag!!! (ich les ihn schon seit Tagen rauf und runter und kann das mit dem »Wissen um den Atem« nur bestätigen. hilft mir mom. sogar ganz besonders, da ich nach über 3 monaten zigarettenabstinenz rückfalltendenzen habe)

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