Adventskranz bastelnAdventskranz basteln



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200602Sa.Dez
Es ist der 1. Dezember 2006 und wir haben noch keinen Adventskranz. Ist mir gar nicht aufgefallen, aber Doris hat es gemerkt. Am Abend vorm Blumengeschäft. Ich schaue missmutig über Berge von professionell gebundenen Kränzen mit Glitzer und getrockneten Orangenscheiben und Zimtstangen. Doris zeigt auf einen davon und fragt, ob der nicht schön sei. Ich frage nach dem Preis.

Doris liest: 41,50 EUR.

Mir rutscht es heftig heraus: "Du spinnst!". Ich war verärgert, obwohl Doris nicht gesagt hatte, dass sie den 80-Mark-Kranz kaufen wollte. Unser Betriebsklima war erstmal im Eimer. Ich wurde belehrt, dass ich eh' das ganze Jahr über so gut wie keine Blumen schenke und wenn sie dann einmal im Jahr sich was Schönes gönnt, dann ist das ja wohl nicht zu viel. Und es ist ja auch für mich und zum Advent wollen wir es doch schön haben, oder?


Dummerweise rutschte mir dann noch heraus, dass man das selbst fast genausogut machen könnte und ich wurde festgenagelt: Ok, Peter bastelt einen Kranz.

Schließlich habe ich auch "Du spinnst!" gesagt. Wer böse ist, muss leiden. Heute, am 2. Dezember, begannen wir damit, den Kranz zu basteln und er ist auch schon fertig. Gerade noch rechtzeitig: Morgen ist der erste Advent. Der Kranz ist schön geworden. Der professionelle Kranz für 41,50 EUR blieb im Blumengeschäft liegen. Unserer hat eigentlich nur die Kerzen gekostet (2,98 EUR), die wir billig im "Thomas Phillips" bei Klein-Winternheim gekriegt hatten. Aber tatsächlich war es teurer, weil wenn man einmal im TP drin ist, kommt man nicht ohne Extrakrempel wieder raus. So haben wir auch einen zweiten Set kleiner Stumpenkerzen gekauft (elfenbeinfarben), um später zu sehen, was besser auf den Kranz draufpasst (und noch mehr Krempel, den ich aber nicht aufzähle, weil er nicht kranzbezogen ist).

Was man braucht
  • Eine Zeitung
  • Dünnen, grünen Blumenbindedraht
  • Dicken, grünen Basteldraht (gibt es als Stäbe zu kaufen)
  • Nadelzweige (kommen bei uns aus dem Garten. Notfalls im Blumengeschäft oder im Baumarkt erhältlich)
  • Stecknadeln oder Klebepistole (Bei Kleinkindern im Haushalt keine Stecknadeln verwenden!!!)
  • Verzierungskram: Bänder, Sterne, Engel, getrocknete Orangenscheiben, Zimtstangen oder was auch immer Ihnen auf Ihrem selbstgemachten Adventskranz passend erscheint.
  • Eine Flachzange zum Draht abschneiden und Draht verdrehen (knoten)

Der Rohling
Das Wichtigste am Kranz ist der Kern, der Rohling um den sich wirklich alles dreht. Diesen Rohling kann man kaufen, aber der selbstgemachte Rohling aus Zeitungspapier hat den Vorteil, dass die Stecknadeln prima halten. Doris legte die Größe fest, indem unser Adventskranzteller als Maß dafür diente, wie groß der Kranz werden durfte. Der Kranz sollte in die Vertiefung des Tellers passen. Ich ließ außen noch etwas Platz für das darum zu bindende Gestrüpp, so dass er etwas kleiner wurde als die Vertiefung.

So wirds gemacht:
Aus drei halben Zeitungsblättern drei Würste gedreht und diese ineinander gesteckt. An der Steck-Stelle mit dünnem Blumendraht fest umwickeln. Dann solange halbe Zeitungsblätter "drumrumkrumpeln", bis der Kranz die gewünschte Dicke hat. Danach alles nochmals mit Blumendraht umwickeln und den Blumendraht mit der Zange am Schluß festwickeln. Der Abstand zwischen den einzelnen Wickelschleifen soll etwa 2 cm betragen.

Tipp:
Wenn ich schlau gewesen wäre, hätte ich den Rohling vorm Umwickeln mit Blumendraht noch mit grünem oder dunklem Bastelpapier oder Packpapier (braun) umwickelt. Die weißen Stellen sind schwerer zu "verbinden" als dunklere. Auch schwarzes Papier wäre denkbar als Kranzkern.

Zweige am Kranz befestigen
Nach längerem Probieren und Abfallen der Zweige vom Kranz, kam ich auf die einfachste Lösung:

Die Wicklung des Kranzkernes dient als Befestigung!

Das kleingeschnittene Gezweig wird etwa 2 cm weit unter die Wicklung geschoben. Leider ist das Bild nicht ganz scharf geworden, aber man kann hoffentlich erkennen, wie es gemeint ist. Der weiße Kern ist problematisch, weil man sehr genau sein muss. Man arbeitet sich von Wicklung zu Wicklung und schiebt ringsrum Zweige rein. Da der Kranz nicht aufgehängt wird, bleibt die Unterseite "zweigfrei". Dadurch steht der fertige Kranz auch stabiler auf seiner Unterlage.

Nach etwa einer halben Stunde Arbeit erhält man einen struppigen Kranz.

Diesen Struppelkranz kann man am Besten gleich nochmals mit Blumendraht umwickeln oder erst später. Ich habe ihn erst später "nachgewickelt". Beim Nachwickeln darauf achten, dass nicht alle Zweige fest am Kern anliegen. Schließlich ist ein Adventskranz keine Pellwurst und er darf auch ein wenig struppeln!


Kerzen festmachen
Was ist ein Adventskranz ohne Kerzen?

Richtig, ein Osterkranz.

Damit klar ist, was das nadelige Ding darstellen soll, müssen unbedingt Kerzen drauf. Hier kommt es auf eine wackelsichere Befestigung an. Es gibt Kerzenbefestigungen aus dem Bastelladen, aber auch hier kann man sparen, wenn man dicken, steifen Basteldraht und Körperkraft einsetzt. In die Unterseite der Kerzen werden je 2 dicke Drähte reingeschoben. Die Drähte sollen mindestens 2 cm tief ins Wachs gehen. Das geht nicht ohne die Zange. Man packt den Draht etwa 4mm vorm Ende mit der Zange und schiebt das überstehende (kurze, 4mm-lange) Stück in den Kerzenboden. Danach packt man mit der Zange das selbe Stück Draht etwa 4 mm weiter oben an und schiebt den Draht tiefer in die Kerze hinein. Diese Prozedur etwa 4 bis 5 mal anwenden. Danach sollte der Draht etwa 2 cm tief in den Kerzenboden hineingewandert sein. Es werden 2 solcher Drähte in der Kerze benötigt! Vorsichtige Zeitgenossen machen noch ein bis zwei weitere Drähte in die Kerze. Die Kerzen werden am gewünschten Platz auf den Kranz aufgesteckt. Die Drähte gehen rechts und links am Kranzkern vorbei. Unten werden die Drähte gekreuzt und dann mit der Zange solange verdreht, bis die Kerze fest sitzt.

Den benötigten, dicken Draht gibt es meines Wissens nur im Bastelladen als "Stangenware". Die Drahtstücke sind grün lackiert und etwa 40 cm lang. Ich habe jeweils 20 cm lange Stücke genommen, musste aber nach dem Verknoten mit der Zange dann jeweils zwei überstehende, 10cm lange Stücke am Kranzkern verschwinden lassen.

Dekoration
Zum Schluß muss der Kranz noch mit jeder Menge Dekomaterial verschönt werden. Ich habe erst jetzt das Gestrüpp nachgewickelt. Wir haben jeweils zwischen zwei Kerzen etwas aus unseren Weihnachtskartons "verbaut". Obwohl heutzutage ohne getrocknete Orangenscheiben und Zimtstangen nichts geht, haben wir darauf verzichtet und einen völlig unmodernen und altmodischen Kranz mit voll korrektem Weihnachtskram gemacht. Grund war, dass die Orangenscheiben vom letzten Jahr im Karton mittlerweile grün bepelzt waren. Da möchte man dann keine Orangenscheiben mehr haben.

Ich bin sehr zufrieden mit unserem Kranz. Er sieht sehr weihnachtlich aus - nach unserer Meinung jedenfalls. Das Betriebsklima ist auch wieder in Ordnung. Ich muss künftig einfach besser aufpassen, was ich sage.

Vielleicht haben Sie jetzt auch Lust bekommen, selbst einen Adventskranz zu basteln?


Änderung am 3.11.07: Das Jahr 2006 in den Artikel geschrieben, es ist ja bald wieder so weit!


12.12.07:
Auch zum 1. Advent 2007 gab es einen neuen Kranz. Diesmal wurde der Kern zum Schluss mit schwarzem Bastelpapier umwickelt. Der Effekt ist super! Man kommt mit ganz wenigen Zeigen aus. Der hier gezeigte Kranz hat einen Außenurchmesser von 42 cm. Die Teelichter werden von Glasteelichthaltern gehalten. Jeder Teelichthalter hat eine Spitze aus Glas, die im Kranz steckt. Die Löcher für die Halter wurden mit einer Ahle vorgestochen.
Dieses Jahr habe ich in einem Blumenladen einen Kranz für 129.- Euro gesehen. Er hatte einen Durchmesser von geschätzt etwa 70cm und war mit Efeu gewickelt. Er hatte vier lange Doppelkerzen, also tatsächlich acht Kerzen auf Haltern. Watte und Goldbänder. Das sind Ideen fürs nächste Jahr!


26.11.08:
Am 21.11.2008 wurde ein neuer Kranz erzeugt.
Doris wollte keinen Efeu, der macht sie traurig. Und auch keine langen Doppelkerzen, Stumpenkerzen sollen es sein. Also wurde es doch wieder ein "normaler" Kranz.

Um den Kern einfacher aufbauen zu können, wurde zunächst ein langer, lappriger Pappstreifen zusammengetackert. Dieser Pappstreifen wurde auf den großen Teller gelegt und dann so zusammengetackert, dass er die richtige Größe hatte. Wenn man dann Zeitungspapier drumrumzuwickelt, geht alles viel einfacher und schneller, weil die Einzelteile nicht mehr auseinanderfallen können.
Nach dem Zeitungspapier kam Packpapier, dann das grüne Geschenkpapier und dann eine Drahtwicklung.
Mara half beim Wickeln und schnitt mit einer kleinen Zange die kleinen Zweige von den gekauften Ästen, die dann unter die Wicklung geschoben wurden.

Der fertige Kranz mit Leuchtdioden musste natürlich im Dunkeln fotografiert werden.
Kosten:

4,50 Zweige beim Blumenladen
4,00 Kerzen
3,00 Leuchtdiodenkette

Peter Klauer

200826Mi.Nov
Letzte Änderungen

Kommentare: 4 Einen Kommentar hinzufügen
PeterFirst entered on: 2009-01-24 09:11:36
Die Zweidrahttechnik muss dringend verbessert werden. Dieses Jahr hat der Kranz angefangen zu kokeln, als die kleinste Kerze unten "durch" war.
PeterFirst entered on: 2008-11-26 13:00:54
Danke Eric, habe ganz vergessen, das im Update von diesem Jahr anzugeben: Die Kerzen wurden wieder mit der "Zweidrahttechnik" befestigt und dieses Jahr hatte ich mit einer Kerze den Draht "vorgeheizt". Das ergab aber eine schwarze Zange und schwarze Finger. Der Kerzenruß enthielt noch Wachs und ging nicht gerne ab. Aber die Drähte gingen super rein!
EricFirst entered on: 2008-11-26 08:51:58
hallo peter, wenn man den dicken draht vor dem reinstecken in die kerzen etwas erwärmt gehts viel leichter ;-))
14 klaFirst entered on: 2007-11-16 15:22:36
Super erklärt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Da kann garantiert nichts mehr schiefgehen. ;-)

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