Wie wird man Tagesmutter?Wie wird man Tagesmutter?



Kategorie: <<< Kinderbetreuung >>>
200604So.Jun
1. persönliche Voraussetzungen und Eignung

Viele Tagesmutter sind selbst Mütter und haben irgendwann die Entscheidung getroffen, neben eigenen Kindern auch andere Kinder zu betreuen. Sie sehen einen Vorteil darin, weil dadurch ein eigenes Kind Spielkameraden im gleichen Alter hat und sie zusätzlich dadurch etwas Geld verdienen. So gesehen könnte jede Frau, die Zuhause ist, auch andere Kinder betreuen. Jede Mutter, die die Entscheidungen trifft, als Tagesmutter zu arbeiten, sollte sich schon Gedanken darüber machen, was es bedeutet, neben den eigenen Kindern auch andere Kinder zu betreuen. Es reicht nicht aus, darüber nachzudenken, ob ein Schlafplatz für das Kind da ist und genug Spielzeug.
Tagesmutter sein ist Arbeit, richtige Arbeit. Wer sich dazu entschließt, sollte sehr ambitioniert sein, Kinder gut betreuen zu wollen. Für die eigenen Kinder ist fast immer in jeder Situation Liebe und Verständnis vorhanden. Fremde Kinder zu betreuen bedeutet, ganz neu zu schauen, wie dieses Kind ist, welche ganz eigenen Bedürfnisses es hat, auch, was es gewöhnt ist von zu Hause, was es nicht mag. Gewohnte Abläufe können dadurch sehr schnell durcheinander geraten. Oft fühlen sich das eigene Kind oder eigene Kinder dann eingeschränkt und es gibt Stress. Dabei hatte man sich das doch so schön und einfach vorgestellt... Am Anfang, also in der Eingewöhnungszeit eines neuen Kindes ist der Aufwand oft enorm. Eigene Kinder werden dann sehr schnell eifersüchtig weil Mama weniger Zeit für sie hat. Sie empfinden ein anderes Kind dann schon mal als Rivalen. Ich kenne einige Tagesmütter die dann mit dem Konflikt leben, einerseits gern andere Kinder zu betreuen, andererseits aber oft das Gefühl haben, den eigenen Kindern nicht mehr so richtig gerecht zu werden. Und dann sind da noch die oft nicht gerade kleinen Ansprüche und Vorstellungen der Eltern. Schließlich bezahlen sie dafür, dass ihr Kind gut betreut wird und rundum glücklich ist. Klingt nach einem echten Spagat.


Ich denke, eine gute Voraussetzungen, um zumindest einige der genannten Probleme zu vermeiden ist eine grundsätzlich sachliche und gut geplante Vorbereitung auf die Arbeit als Tagesmutter, also weg von der idealisierten Vorstellungen wie schön es doch ist, neben dem eigenen Kind mal eben mit einem oder zwei Kindern zusätzlich Geld zu verdienen ohne aus dem Haus zu müssen, ohne zusätzliche Investitionen und ohne dass den eigenen Kindern die Mama fehlt.

Es gibt sicherlich viele Fragen, die man sich für die Planung stellen sollte. Mir fallen dazu vor allem folgende ein:


  • Bin ich bereit, diese hohe Verantwortung zu tragen, die mit Kinderbetreuung einhergeht?

  • Kann ich so zuverlässig sein, dass berufstätige Eltern sich im Grunde hundertprozentig auf mich verlassen können, dass ich nicht durch eigene Krankheiten oder durch häufiges Kranksein meiner Kinder ausfalle?
  • Steht meine Familie hinter meiner Entscheidung, als Tagesmutter zu arbeiten?
  • Werde ich mich mein eigenen Kindern gegenüber durchsetzen können, wenn sie sich eingeschränkt fühlen, weil sie plötzlich mit dem Phänomen des Teilens konfrontiert werden, die Mama teilen, das Spielzeug teilen, " das Essen teilen " und sicherlich noch einiges mehr?
  • Wie sicher und geeignet ist mein Haushalt, um mehreren Kindern eine behütete Umgebung zu bieten?
  • Habe ich starke Nerven, um in Konfliktsituationen angemessen und zu bleiben?
  • Habe ich ein großes Herz, andere Kinder zu mögen, auch wenn sie sich mal so benehmen, wie ich es eigentlich nicht möchte?
  • Habe ich genügend Standfestigkeit, um Eltern gegenüber sachlich und professionell aufzutreten?



2. institutionelle Voraussetzungen

Die Jugendämter halten für Tagesmütter und alle die es werden wollen umfangreiches Informationsmaterial bereit. Seit letztem Jahr ist vom Gesetzgeber vorgesehen, dass jede Tagesmutter, jeder Tagesvater für diese Tätigkeit eine Fortbildung besuchen muss. Nähere Informationen halten Jugendämter bereit. Auch gibt es zusätzliche Institutionen, die Tagesmütter vermitteln. Wer als Tagesmutter beim Jugendamt gemeldet ist hat den Vorteil, vom Jugendamt auf Anfragen von Eltern empfohlen und vermittelt zu werden. Es ist, so weit ich weiß jedoch nicht verpflichtend, angemeldet zu sein. Viele nennen sich Tagesmütter und suchen sich sozusagen auf dem freien Markt per Annonce ihre Kunden. Da gibt es eine riesige Grauzone an Schwarzverdienern. Das kann ich niemandem empfehlen.
Ich rate allen, einen Vertrag, siehe Betreuungsvertrag auf der Kinderrattatseite, abzuschließen, ganz normale monatliche Rechnungen auszustellen und brav Steuern zu zahlen. Jedes betreute Kind sollte angemeldet sein, da es ansonsten nicht versichert ist. Ich könnte keinen Tag arbeiten bei dem Gedanken dass eins meiner betreuten Kinder unversichert ist. Unfälle sind vermeidbar jedoch nie hundertprozentig auszuschließen. Das sollte jedem klar sein.
Des weiteren empfiehlt sich der Abschluss einer Haftpflichtversicherung zugeschnitten auf die Tätigkeit als Tagesmutter. Es gibt in allen Bundesländernländern Tagesmüttervereine, die zum Teil auch Vereinsmitgliedern kostengünstige Versicherungsmöglichkeiten anbieten. Über Verdienstgrenzen, Krankenversicherung, Sozialversicherung kann ich leider nichts sagen, da ich selbstständig tätig bin, ein angemeldetes Gewerbe habe und meine Einkünfte ganz normal versteuere. Aber auch zu diesem Thema kann man beim Jugendamt oder den entsprechenden Vereinen um Unterstützung bitten.


Nun noch kurz etwas zu mir und meiner Arbeit:

Ich bin Erzieherin und arbeite seit zwei Jahren als Tagesmutter zu Hause. Ich betreue von Montag bis Freitag fünf Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren. Für mich ist das die Arbeit, die ich ausschließlich tue von morgens 7.30 Uhr bis 16:30 Uhr. Ich habe einen festen Tagesablauf, der den Bedürfnissen der Kinder auch laufend angepasst wird.
Die Kinder fühlen sich sehr wohl bei mir und die Eltern sind ebenfalls sehr zufrieden. Ich vermeide Privatkontakte mit den Eltern, habe trotzdem ein sehr herzliches Verhältnis zu allen Eltern. Ich führe regelmäßige Elterngespräche durch.

Anna

200715So.Jul
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Kommentare: 5 Einen Kommentar hinzufügen
MariFirst entered on: 2010-12-15 14:23:39
Hallo Anna, toller Bericht,aber wenn du fünf Kinder betreust und das Selbständige dann mußt du auch Krankenversicherung und Sozialversicherung bezahlen. Wieso weißt du nichts darüber?
schnettFirst entered on: 2009-02-04 12:11:40
hallo, deinen bericht zu finden war für mich ein glückstreffer. auch ich möchte mich als ganztagmutter ausbilden lassen. doch meist findet man nicht die richtigen antworten zu seinen fragen. wie z.b versichungen für die betreuten kinder( welche und wie hoch sind die kosten) vielleicht kannst du mir ja da was genaueres empfehlen??die versicherungsagenturen wollen meist viel geld ( sehr viel geld) ich würde mich freuen darüber das ein oder andere demnächst von dir lesen zu können. danke
BärchenFirst entered on: 2008-12-29 15:31:59
Ansprechpartner für einen Tagesmutter-Lehrgang ist das jeweils für den eigenen Wohnort zuständige Jugendamt. Wer den Lehrgang besteht (so ziemlich JEDE/R), ist dann beim Jugendamt als Betreuer gemeldet und wird auch offiziell vermittelt. Leider muss man dann auch Steuern abführen und Rechnungen schreiben...
JulianeFirst entered on: 2008-01-23 13:17:49
Hallo liebe Anna, ich ziehe es in betracht einen Kurz zu belegen um den Beruf der Tagesmutter ausführen zu können. Dein Bericht ist echt ganz toll geworden und ich würde mich freuen wenn du noch einiges schreiben könntest wie so ein Kurz abläuft. Ganz lieben Gruß aus Lübz
GoldyFirst entered on: 2008-01-10 14:48:43
Hallo Anna ! Ich muss ein gr0ßes Lob aussprechen für deinen Bericht als Tagesmutter.Ich mache mich auch grad Selbstständig als Tagesmutter für die Ganztagsbetreuung. Gruß Goldy

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