Empfehlung für die gestresste (Tages-) MutterEmpfehlung für die gestresste (Tages-) Mutter



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200517Do.Nov
Mutter-Kind Kur in Zingst (Ostseeheilbad im April 2005)
Nachdem ich Anfang des Jahres umgezogen, halbtags arbeitete, eine Vierjährige zu betreuen und den üblichen Stress mit meiner Selbstdefinition hatte wurde ich vier Wochen krank. Mir wurde bewusst, mein letzter Urlaub war 5 Jahre her’. Richtig Urlaub wäre auch in diesem Jahr nicht drin (der Umzug hatte unsere finanziellen Mittel stark beeinträchtigt), aber um mich richtig zu regenerieren, musste ich mal richtig ausspannen. Da das Ganze mit einer Vierjährigen auch geplant sein will und mein Lebensgefährte nicht mit wollte, kam ich auf die Idee eine Mutter-Kind Kur zu beantragen.

Ich hatte im Jahr zuvor schon den Antrag auf eine Mutter-Kind Kur gestellt und einen negativen Bescheid bekommen. Für dieses Jahr wollte ich mein Glück erneut versuchen. Im Jahr zuvor hätte ich Einspruch erheben können, ich ließ es, so dringend erschien mir mein Anliegen nicht. Dieses Jahr hielt ich mit meinem Hausarzt (ein Homöopath, der keine Probleme hat, Frauen bei Kuranträgen zu unterstützen) Absprache und er beschriebt meinen angegriffenen, gestressten Zustand akribisch. Mein ‚Glück’ war ein leichter Tinitus, der während meiner vierwöchigen Auszeit aufgetreten war. Aufgrund diesem wurde der Kurantrag positiv beschieden.
Ich konnte es zuerst nicht glauben, so freute ich mich. In dieser Zeit, in der frau über jede Leistung der Krankenkasse staunt, bekomme ich eine Kur. Ich sollte an die Nordsee. Eine befreundete Mutter kannte die Gegend und informierte mich über den Schlick und Matsch ‚Strand’. Mein Traum war ein Sandstrand, an dem ich mit meiner Tochter Muscheln suchen wollte. Eine matschige Gegend, in der wir nicht ans Wasser konnten, strebte ich nicht an.
Der Rückruf bei der Dame, die meinen Kurantrag bei der Versicherung bearbeitete, war ein wenig zäh, konnte sie mein Begehren nicht so recht nachvollziehen. Nach zwei Gesprächen war sie aber dann doch einverstanden, meinem Wunsch nachzugeben und uns nach Zingst an die Ostsee fahren zu lassen. Zingst an der Ostsee, zwischen Rostock und Stralsund, ein Traum. Eine herrliche Gegend, die sich ‚Otto Normal Bürger’ aber schon fast nicht mehr leisten kann. Das Kurhaus stand der Gegend in nichts nach, ist es doch für Kinder zwischen drei und sechs Jahren und ihren Müttern ideal.
Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob es Sinn macht mit einem Kind zu fahren, das noch nicht alleine in den Kindergarten gehen kann und frau dann in der Kur mehr Theater hat, als zu Hause. Natürlich kann frau auch die ganze Zeit mit dem Kind zusammen sein, aber wo bleibt dann der Erholungseffekt für die Mutter? Dazu kommt das Gefühl, „hier ginge es, mein Kind würde betreut werden – aber, es will nicht“ und die Erzieherinnen holen bei übermäßigem Geschrei die Mutter. Auch nur Stress.
Nein, da ging es uns besser. Meine Vierjährige war vom Kindergarten auch nicht restlos begeistert, aber mit ein bisschen Überredung blieb sie dort und als sie eine Freundin gefunden hatte, ging es dann noch besser.
Keine Mutter musste Anwendungen machen die sie nicht wollte. Es ging um Erholung, der maßgebliche Arzt betonte immer wieder „Sie dürfen hier alles, nur keinen Stress haben“.
Das Angebot war vielfältig, trotzdem gab es Eckchen, in denen frau innehalten und zu sich kommen konnte. Dazu zählten freie Stunden ohne Kind, in denen Strandsparziergänge oder Saunabesuche möglich waren. Morgens gab es autogenes Training und Qi Gong und mein persönliches Highlight eine halbstündige Meditation. Danach war über Massagen aller Arten, Sport betreiben, basteln, psychologische Gespräche, Ernährungs- oder Erziehungsberatung alles möglich, je nach Absprache mit dem Arzt. Leider war mein adipositas Programm nicht erfolgreich. Die Sportlehrerin, die unsere adipositas Gruppe betreuen sollte war während der Kur krank und so fiel unser geleitetes Sportangebot aus. Natürlich konnte frau sich ein Sportprogramm in eigener Regie zusammenstellen (Geräteraum, am Strand walken oder Fahrrad fahren), aber ich hätte mir ein wenig sportliche Animation gewünscht. Unser Wassergymnastik Programm fand statt und hier hatten wir eine Menge Spaß.
Ein großer Hit bei den Kindern war ‚Muscheln suchen am Strand’, meine Tochter bekam davon nie genug. Am liebsten fand sie ganz kleine Schnecken, die ich kaum sehen konnte.
Der Strand war ganz wunderbar, Anfang April war er teilweise menschenleer und endlos. Die gute Ostsee Luft tat das übrige um einen hohen Erholungswert zu erzielen.
Schön war auch die Zeit mit meiner Tochter, die im kleinen Schwimmbad ihre Angst vor dem Wasser verlor. Wir bastelten mit Strandfunden und fuhren Fahrrad am Deich.
Leider erkältete sie sich in den letzten Tagen. Nach einem fiebrigen Tag war sie wieder fit und mich belasteten die verordneten 48 Stunden Isolation. Das ist bei Fieber eine Standartmaßnahme, um Ansteckungen zu verhindern. Mich erschreckte dies, denn ich sah mich in unseren zwei kleinen Zimmerchen für 12 Stunden den Alleinunterhalter machen und die wieder voll erwachten Lebensgeister meiner Tochter im Zimmer halten. Zu meiner Überraschung entlastete mich der Arzt. Er bot mir die Dienste einer Tagesmutter an. Klasse, ich konnte mich regenerieren und meine Tochter hatte Unterhaltung. Sie durfte mit der Tagesmutter sogar an den Strand, nur keinen Kontakt zu anderen Kindern haben. Zum Schluss sagte sie zu der Frau ‚Du darfst wiederkommen’.
Das gilt zwar so für mich nicht (lieber habe ich ein gesundes Kind, das keine extra Betreuung braucht), doch ich würde jederzeit gerne wieder nach Zingst an der Ostsee ins Kurhotel ‚Neue Straminke’ fahren.

Doris Kawka

200619Fr.Mai
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